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Dead Prez

Let`s Get Free

"Das folgende Interview stellten uns die Genossen/Innen von der "Proletarischen Rundschau" (komak-ml@gmx.at) zur Verfügung."
Art.Nr.: JTV-00141
Let`s Get Free
Label: Diverse
2 Wochen
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“Im Folgenden wird ein Interview, das wir in der Nummer 38 der revolutionären Zeitschrift “Aufbau”(www.aufbau.org) aus der Schweiz gefunden haben zur Diskussion gestellt:

Ich bin Künstler – wenn nötig

Die Rapgruppe Dead Prez ist außergewöhnlich: das Duo aus New York erreicht mit militanten Texten ein großes Publikum. Ein Gespräch mit Rapper M-1

Ihr bezeichnet die Plattenfirmen in euren Texten als «Sklavenplantage». Es hat lange gedauert bis zur Veröffentlichung eures letzten Albums.Wie habt ihr euch bei den Musikkonzernen zurechtgefunden?

Die Konzerne monopolisieren den musikalischen Raum, welcher für die Ghettokids der einzige Weg ist, mit ihrer Musik im grösseren Rahmen gehört zu wer den. Um gehört zu werden muss man also gewisse Dinge opfern. Manche Gruppen gehen dabei mehr Kompromisse ein, manche weniger. Wir sind als eine Gruppe bekannt, die sehr wenig Kompromisse eingeht.

Ihr geht also davon aus, dass es möglich ist, das System auszunutzen, ohne selbst von ihm missbraucht zu werden?

Die Beziehung zwischen Sklavenhalter und Sklave ist widersprüchlich. Sie ist ein Geben und Nehmen, einer beutet den anderen aus. Wir wissen, dass unsere Arbeit auch ihre Seite aufbaut. Aber der Punkt ist, dass wir uns immer im Bewusstsein halten, dass wir unsere eigene Seite aufbauen müssen und dafür eine Agenda brauchen. Es wird einen Punkt geben, an dem wir uns von der parasitären Beziehung abkoppeln müssen. Aber wenn wir das System nicht ausnutzen, bleiben uns keine Ressourcen. Wenn wir das System und seine Ressourcen nicht ausbeuten, bleibt nur noch die Revolution, der Krieg.

Eine revolutionäre Bewegung braucht immer auch eine revolutionäre Form, sprich Kunst. Wie seht ihr die Beziehung zwischen Kunst und Politik?

Ich sehe mich nicht nur als Künstler. Ich sehe mich als Künstler wenn nötig. Wenn ich über Zölle und Grenzen in die Schweiz kommen muss, bin ich ein Künstler. Ich verwende meinen Künstler-Badge nur, um mit den Leuten zu reden. Auch die US-Regierung erkennt, dass ich mehr als ein Künstler bin. Sie kennt die Bedeutung der Kunst für Leute, die keine Stimme haben. Die Kunstform ist ein Werkzeug, eine Waffe für unsere Propaganda. Dessen muss man sich bewusst sein.

Euer neustes Album heisst «Revolutionary But Gangsta». Was versteht ihr darunter?

RBG, Revolutionary But Gangsta, steht auch für Red, Black and Green – die Farben der Befreiungsflagge der Bewegung für einen Kontinent für alle AfrikanerInnen und der Identiät als Afrikanerinnen. RBG soll die Geschichte und die Entschlossenheit des Widerstands mit einer heutigen, jüngeren potenziellen Führung verbinden. Wir Jüngeren haben unsere Rolle als Führende der Revolution noch nicht akzeptiert. Wir müssen erkennen, dass wir uns nicht durch Abstimmungen, Wahlen, Ausbildung oder Geld befreien können. Wir können. uns nur befreien, indem wir die Revolution organisieren, welche die Konsequenz des Zerfalls des Systems ist. Den Begriff Gangsta – nicht Gangster – definieren wir selbst. Es ist ein umgangssprachlicher Begriff aus den schwarzen und braunen Ghettos, der besagt, dass wir Soldiers sind, dass wir aus und für unsere Überzeugung kämpfen.

Ist Gangsta also eine spezifische authentische Organisationsform?

Definitiv. In den USA, in unseren Gemeinschaften, gibt es eine Identifikation mit verschiedenen Organisationsformen: sog. «Street Nations», «Street Tribes», die euch vielleicht als Gangs bekannt sind. Das sind kollektive, politische Organisationen, Soldiers, die nach ihrer Geschichte suchen, die Helden unserer Communities, die Vergessenen, diejenigen, die im Knast waren, politische Gefangene – all thats Gangsta.

Viele Künstler ziehen aus dem Ghetto, sobald sie einigermaßen kommerziellen Erfolg haben. Inwiefern seid ihr verbunden mit der Community, eurem konkreten Umfeld der schwarzen Gemeinschaft in Brooklyn, New York?

Auch wenn man aus der Community wegzieht, bedeutet das nicht, dass man den Kontakt zu ihr verlieren muss. Lebensqualität zu erreichen bedeutet zwingend, aus dem Ghetto zu ziehen, denn die notwendigen Ressourcen sind in unseren Häuserblöcken schlicht nicht vorhanden. Ein besseres Leben wollen wir ja auch alle haben. Materialismus bedeutet für mich aber, dass es nicht darum geht, als Einzelner die se Ressourcen zu besitzen, sondern darum, dass alle diese besitzen. Man muss die Community als Ganzes aus dem Ghetto mitnehmen.

Ihr nehmt in euren Texten Bezug auf eine sozialistische Wirtschaftsordnung. Auf der anderen Seite hast du, M-1, aber auch in einem Interview diesen Bezug negiert.

Was ich sage, meine ich schon ernst und ich bin nicht opportunistisch. Ich wurde in einer sozialistischen Organisation ausgebildet und organisiert, in der APSP, der African Peoples Socialist Party. Meine Aussagen müssen auch im Zusammenhang gesehen werden. Wir haben nie einen echten Kommunismus funktionieren sehen. Weshalb? Weil Kommunismus nicht gleichzeitig neben einem imperialistischen und kapitalistischen System existieren kann. Sozialismus ist eine provisorische Übergangsregierung, um zu sehen, wie sich Dinge weiter hin zum Kommunismus, hin zu einer perfekten Gesellschaft entwickeln. Das sage ich zu Leuten, welche mit dieser Art von realem Sozialismus Erfahrung gemacht haben. Letztlich können wir dem Kommunismus und Sozialismus einen beliebigen Namen geben. Wir sind zwar Marxisten. Aber die Welt ist weiter gewachsen und wir leben heute immer noch im Ruin. Es muss also mehr geben, als was Marx und Lenin damals verstanden und uns mitgegeben haben. Wir brauchen mehr für unseren Weg.

Wie hat «homeland security», die verschärfte Repression nach dem 11. September eure Community und eure Arbeit beeinflusst?

Es gab schon immer Armee und Polizei in unseren Communities. Aber die Regierung hat den 11. September als Vorwand genutzt, diese schon lange bestehende Tendenz zu mehr alltäglicher Repression noch zu verstärken. Nichtsdestotrotz ist es der gleiche alltägliche Krieg, welchen wir schon immer kennen. Für die politische Arbeit hat sich aber nichts geändert.

Wie steht ihr zum Problem der Frauenunterdrückung im HipHop?

Es ist die Sache, welche HipHop am meisten schwächt. HipHop ist nur eine Reflexion dessen, was in den Communities passiert. Sexismus und die Unterdrückung der Frauen – diese unterdrückende Einstellung – liegt in der Natur des kapitalistischen Umfelds. Das Problem wird noch viel zu wenig benannt, aber wir versuchen dies auch im Hip-Hop über frauenspezifische Strukturen und Organe zu ändern.

Ihr bezieht euch immer wieder auf die «African revolution». Was versteht ihr darunter?

Sie ist das Gegenteil davon, was Kapitalismus und Imperialismus repräsentieren. Sie folgt als natürliche Konsequenz, wenn der Kapitalismus seinen Höhe punkt erreicht. Sie ist das Gegenteil der Idee der «white power», der Ideologie der Vorherrschaft der «Weissen Rasse», und steht somit für die Freiheit der Schwarzen. Es ist eine antiimperialistische Bewegung, welche den Kapitalismus in seinen Grundfesten erschüttern wird, denn der Kapitalismus wurde auf afrikanischem Blut gegründet. Wir haben die Maschinen bedient, die Ressourcen aus dem Boden geholt. Die afrikanische Revolution ist somit der Ausweg aus dem Kapitalismus für alle Unterdrückten.”

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